




















Auszug
aus: "In
Zeiten des Wandels", Anthologie "Lichtbringer"
Gedicht:
"Hoffnungsschimmer",
Anthologie
"Hoffnungsfunken"
Auszug aus:
"Gottessöhne",
Anthologie
"Teufel
auch!"
Gedicht:
"Gezeiten",
Anthologie
"Dem
Schönen
zuliebe"
Auszug
aus: "In
Zeiten des Wandels", Anthologie " Lichtbringer"
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Als wir die Anlage gemeinsam abschritten und dabei die kleinen
Täfelchen mit Informationen lasen, die an wichtigen
Stellen platziert waren, merkte Panthim an: „Wusstest du, dass man vor
über 1600 Jahren Shirna bei Tempeln wie
diesem Menschenopfer dargebracht hat?“ „Nein! Unglaublich,
Menschenopfer für die gute Göttin der Ordnung!“,
entsetzte ich mich. Wir sahen uns die Reste von Götterstatuen an,
wobei wir uns, wie schon von Beginn an, Notizen
machten.
Verstohlen musterte ich zwischendurch meinen auf exzentrische Art
attraktiven Verlobten. Man sah ihn nie
ohne mindestens ein Kleidungsstück, das historisierend war. Meine
Blicke spürend drehte er sich zu mir um. Während
meine Augen braun waren, wirkten seine fast schwarz. „Hoch interessant,
dieser alte Glaube!“, gab Panthim euphorisch
zu. „Du bist doch wohl nicht Mitglied in diesem Geheimbund?“, versetzte
ich ironisch, doch mit einem Hauch von Zweifel.
„Cara!“, entrüstete er sich künstlich. Kurze Stille.
Plötzlich schoss mir etwas in den Sinn.
Kam nicht
letztens auch Pernur, dieses finstere Gegenstück zu Shirna, Ushur
und Seraish in einem meiner Träume vor?
„Was weißt du über Pernur?“, erkundigte ich
mich mit bebendem Herzen bei meinem belesenen Verlobten.
Zuerst war er leicht verdutzt, aber da er es liebte, wenn sein Wissen
gefragt war, zitierte er: „Pernur – dunkler
Herrscher einer anderen Welt. Vor langer Zeit wollte er mit Hilfe des
Donnerdrachens auch diese Welt für sich
beanspruchen. Die drei Götter verbannten ihn daraufhin für
alle Zeit.“
Pernur…
Sein Drache… Ihr Schatten zeichnet sich schon ab in dieser
Verschwommenheit… In Zeiten des Wandels.
„Warum fragst du?“, wollte Panthim von mir wissen. Doch anstatt zu
antworten setzte ich mein Verhör fort.
„Und was kannst du mir zu einem heiligen Schwert sagen?“ Er stutzte
kurz, zitierte dann aber wieder ganz
in seinem Element: „Das heilige Schwert Lichtbringer – geschmiedet vor
unzählbaren Jahren von den drei Göttern
selbst. Auf dass es Licht und Hoffnung bringe in finsteren Zeiten. Nur
seine Zwillingsseele kann es finden und tragen.“
Ich sah es
im Traum, es leuchtete wie von Innen heraus. Komm zu mir! So schien es
mich zu bitten. Es wartet.
„Cara? Du bist so abwesend. Weshalb interessieren dich auf einmal
Pernur und das Schwert Lichtbringer so
brennend?“ Ich schwieg leicht verlegen. „Ah, du hattest wieder solche
Träume“, vermutete er.
„Stimmt“, gab ich zu. Er begehrte sie stets alle zu hören, meine
Erlebnisse der Nacht. Doch äußerte er sich zu meinen
Träumen meist nur in Form von irgendwelchen Zitaten, die ihm dazu
einfielen.
Ich fühle mich seltsam. Bilder
und Worte bestürmten meine Gedanken. Neumond kann nicht fern sein.
Unvermittelt brach es aus mir hervor: „Panthim, wer bin ich? Wer bist
du? Wo sind wir wirklich? Was ist wirklich?“
Er näherte sich mir wortlos und ein bisschen ängstlich. Lange
hielt er mich und trocknete mir Tränen, die ich nicht spürte.
„Was hast du vor zu tun? Seit einer halben Stunde stehst du nun schon
vor dem Spiegel und bist mit deinen Haaren
beschäftigt.“ Mutter stand mit ihrem, bereits für sie
typischen, besorgten Blick neben mir. Ich war auch an jenem Tag,
nach Neumond, noch manchmal etwas entrückt. Meine Visionen und
eigentümlichen Gefühle hatten mich die vergangene
Woche mehr denn je gepackt.
„Ich möchte mir eine bestimmte Frisur machen“, erwiderte ich. „Du
triffst dich dann sicher gleich mit Panthim“,
schmunzelte mich meine Mutter an. „Nein, ich will meine Haare so
tragen, wie vor Jahrhunderten die Krieger und
Kämpferinnen bevor sie in die Schlacht zogen“, erklärte ich
ihr mit einer Stimme, die weit weg war. Sie starrte mich an,
als habe ich den Verstand verloren. „Warum möchtest du das? Was
ist nur los mit dir, Kind?“
Das
Schwert… Ich muss mich auf die Suche machen. Was naht, ist eine
Entscheidung – für ganz Akyris.
Ich habe meine Entscheidung schon
getroffen. Wir werden uns der Dunkelheit entgegenstellen, das Schwert
und ich.
„Ich werde auf eine Reise gehen und bereits
heute dazu aufbrechen“, verkündete ich meiner Mutter. Sie bekam
feuchte Augen und packte mich an den Schultern. „Aber… Aber, wohin,
wozu? Was ist mit deinem Studium?
Was mit deinem Verlobten? Und mit mir?“, stammelte sie bestürzt.
Mein Herz wurde ganz warm. Ich nahm ihre Hände
in meine und erinnerte sie mit sanftem Tonfall: „Mama, beruhige dich.
Weißt du noch, als ich ein Kind war und du mir
oft die Legende von Pa`tesch erzählt hast? Ich konnte nie genug
von dieser Geschichte hören. Und wenn du dann immer
fertig erzählt hattest, sahst du mich wehmütig an. Du
sagtest, du hättest Angst um mich.“ Sie lächelte mich traurig
an
und ich fuhr fort: „Tief in dir hast du mein Schicksal stets erahnt.“
Mutter löste ihre Hände aus meinen, wischte sich
mit dem Handrücken über die Augen und nahm die Bürste in
die Hand. „Mama?“ Ich blinzelte sie überrascht an.
„Halt still. Ich möchte dir eine Frisur machen, wie sie einst im
Gefecht getragen wurde.“ Sie teilte die dunkle Flut
meiner Haare in drei Teile und befestigte um jede der drei
Strähnen ein rotes Band aus meiner Schachtel auf dem Tisch.
Woher weiß
sie das nur? Das ist
unfassbar.
Da trat mein Vater in den Raum. Er blieb unvermittelt stehen und
betrachtete uns entgeistert. „Um Aitas Willen, was
tut ihr zwei denn da? Liala, du hast ganz rote Augen! Und Cara, was
soll diese
komische Frisur?“ Wir schwiegen. „Eigentlich bin ich gekommen, um mal
ein
Wörtchen mit dir zu reden, Cara. Ich habe in dein Heft geschaut.
Bis auf ein
paar Notizen hast du noch keine einzige Zeile deiner Arbeit verfasst!“,
ereiferte er sich. „Ja, das stimmt“, gab ich gleichgültig
zurück.
Erregt fuhr
er mich an: „Mehr hast du nicht dazu zu sagen?“
Meine Mutter ging besänftigend auf ihn zu. „Das klären wir
ein anderes Mal.
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Cara muss jetzt los, auf eine Reise.“ „Auf eine Studienreise?“, fragte
Vater.
„Genau!“, log meine Mutter. Daraufhin war er etwas verwirrt, aber
beruhigt.
Er murrte noch: „Das hätte mir mal jemand früher sagen
können“, bevor er
mich zum Abschied umarmte. Ich packte noch fertig, verabschiedete mich
tränenreich von meiner Mutter und brach auf.
Hoffnungsschimmer
Zurück
Schon schwindlige Suchtminuten.
Es erahnen: Exil, Elysium.
Haltlos Hoffen himmelsfern.
Natürlich nie Nähe –
natürlich?
Süß-saures Sehnen
samt-seidig.
Unendlich Ufer umschiffend.
Circa chancenlos.
Hassen, Hadern,
Herbeiwünschen.
Tausend Tage taumelnd
Traumzustände.
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Auszug aus:
"Gottessöhne", Anthologie " Teufel auch!"
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Sie standen sich ein, zwei Sekunden schweigend gegenüber. Doch was
hatte Zeit hier schon für eine Bedeutung?
Anspannung knisterte zwischen den beiden und vor allem der
geschniegelte Mann machte einen betretenen Eindruck.
Als die Frau den Mund öffnete, nahm er gar eine Abwehrhaltung ein.
Aber sie sagte bloß: „Hallo, Bruder.“
Verblüfft erwiderte er ihren Gruß. Dann fuhr es aus ihr
heraus: „Ich bin dir nicht mehr böse, Luzifer.
Wozu dieser ständige Streit?!“
Der Bann war gebrochen. Die Züge des Mannes nahmen wieder ihre
alte Verschlagenheit an. „Ganz meine Rede.
Übrigens, dieser neue Körper steht dir. Du bist durchaus mein
Typ, nur etwas blass um die Nase.“ Sie rollte mit den
Augen. „Zerknirscht hast du mir besser gefallen. Was tust du eigentlich
auf dieser Ebene?“ Das Zwielicht blieb
bestehen, es wurde keinen Hauch dunkler. „Das Gleiche wie du, Gabriel.
Ich reise gern. Oder soll ich dich jetzt Gabriele
nennen?“ Die Frau seufzte. „Mach, was du willst!“ „Das tue ich doch
immer“, gab er schelmisch zurück.
Dann wurde er ungewohnt ernst. „Ich bin froh, dass wir das Kriegsbeil
begraben haben. Auch ich bin ein Sohn Gottes
und wie du eine Facette von ihm, die notwendig ist. Gut, dass du es
verstanden hast. Ich bin so, wie ich gemacht wurde,
nicht böse.“ Gabriel nickte. „Es muss wohl stets jemanden geben,
der die Menschen versucht. Auch das gehört zu
Gottes Plan.“
Luzifer sah in eine unbestimmte Ferne. „Was mich oft stört, ist,
dass die Menschen, immer wenn einer von ihnen etwas
Schlimmes getan hat behaupten, das habe etwas mit mir zu tun!“ Sie
lachte mit traurigen Augen. „Ja, die Menschen waren
schon seit jeher zu schrecklichen Taten fähig.“ Er fuhr fort.
„Jedoch, wenn sie etwas Gutes, Erhabenes tun, wollen sie
es stets selbst gewesen sein, dann schreiben sie es auch nicht Gott
zu!“ Sie nickte.
Der Teufel wollte sich nun wieder Vergnüglicherem hingeben. Schon
während Gabriel noch zustimmte, hatte er begonnen,
ausladende Bewegungen zu machen und sich wie ein Zauberer
aufzuführen, der in einem Altenheim ein paar billige Tricks
vorführte. Er gab sich gerne exzentrisch.
Nun musste Gabriel verstummend mit ansehen, wie sich alles um sie herum
auflöste und einer neuen Kulisse wich. Die
beiden standen jetzt im Lounge-Bereich eines Clubs, der modern und
durchgestylt war. Einen solchen hätte man
vielleicht in einem schicken New Yorker Viertel finden können.
Luzifer ließ sich auf eine weiße Ledercouch fallen und
winkte sie gönnerhaft neben sich. Gabriel schnaubte:
„Wo sind wir jetzt überhaupt? Auf der Erde? Und diese Menschen?“
Er meinte bloß lakonisch: „Was spielt das schon
für eine Rolle?“
Luzifers Blick haftete bereits an einer aufreizend tanzenden Frau. Sein
Interesse spürend, stöckelte sie gleich mit
wiegenden Hüften zu ihm. Sie flirteten ein bisschen, was den Satan
nicht davon abhielt, Gabriel zu necken: „Schön
hier, nicht wahr? Sag mal, was kannst du eigentlich noch, seit du dich
unters Volk gemischt hast?“ Feuer funkelte in
den Augen des Erzengels und mit einer Handbewegung ließ sie die
aufgetakelte Frau verschwinden wie ein Trugbild.
„Noch genug!“ versetzte Gabriel triumphierend.
Luzifer war zwischen leichtem Groll und Anerkennung hin und her
gerissen. Er zog eine beleidigte Schnute.
„Spielverderberin! Und wenn das nun ein armer Mensch war, den du gerade
ins Nichts geschickt hast?“ Gabriel
winkte ab. „Ich habe zwar einen Moment gebraucht. Doch meinst du, ich
habe verlernt zwischen Illusion
und … relativer Illusion zu unterscheiden?“
Dem Teufel entfuhr ein amüsiertes Lachen. Er rückte ganz nah
an die Frau heran, die ihr Stolz keinen Zentimeter
zurückweichen ließ.
Luzifer liebte das Glitzern der bunten Scheinwerferlichter, die
Rhythmen der lauten Musik, das Stimmengewirr und
die köstlichen Drinks. Gabriel indessen fühlte sich nicht
wohl und wäre gerne geflüchtet. Es roch nach Rauch,
Schweiß
und Eau de Toilette. Was Luzifer allerdings gerade mit einem
Fingerschnippen von einer Kellnerin bringen ließ, war
schon eher nach ihrem Geschmack: Gläser mit hellgoldenem
Champagner. Sie nahm sich das perlende Getränk
vom Tablett.
Luzifer musterte sie mit einem ironischen Seitenblick, während er
die hübsche Kellnerin auf seinen Schoß zog.
Er wartete geradezu darauf, dass der Erzengel deswegen wieder etwas
Abfälliges sagen würde. Da kam es auch
schon: „Du kannst es einfach nicht lassen, hm?“ „Warum sollte ich
denn?“
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Gezeiten
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Ahnst du es auch
Die Gezeiten spielen mit uns
Seit einer Weile
Verebben und fluten wir uns zu.
Fühlst du es auch
Die Nacht entdunkelt uns
Immer mehr
Verhellt der Tag im Zwielicht.
Glaubst du es auch
Der Sommer brennt uns aneinander
Ohne dazwischen
Bis wieder Winter-Eis uns zur Mauer
wird.
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